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Die Frauenzeitschrift "Brigitte" plant eine "redaktionelle Revolution" und will ab 2010 nur noch "echte Frauen" abbilden - keine untergewichtigen Models mehr. Gute Idee?

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Na, haben Sie heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit/Kita/Schule/Uni auch diese seltsamen Blicke bemerkt? Hatten Sie auch das Gefühl, dass dieser Mensch mit der Kamera schon mal prüft, ob Sie nicht ganz wahnsinnig toll auf das Cover einer Frauenzeitschrift passen könnten? Oder vielleicht doch eher in den Innenteil, als aparter Teil einer herbstlichen Modestrecke für alltäglichen Großstadt-/Land-Look? Nein, haben Sie nicht und was diese Fragerei eigentlich soll, bitte?

Ganz einfach: Die Frauenzeitschrift Brigitte hat gestern ihren vermeintlichen Scoop des Jahres verraten. Ab 2010 sollen professionelle Models, die "künstlich" aussehen, weil sie circa 23 Prozent weniger wiegen als die durchschnittliche Brigitte-Leserin, aus dem Heft verbannt werden. Und ersetzt werden Sie durch? Na, durch Sie! Ja, Sie. Für den Fall, dass Sie sich dort selbst bewerben. Oder Sie im Alltagsleben gecastet werden. Weil Sie eben so "normal" sind und "mitten im Leben stehen". Anonym müssen Sie bei Abdruck auch nicht bleiben, denn Sie werden vorgestellt mit Name und Beruf. Um die sogenannten "Magermodels" wiederum brauchen Sie dich keine Sorgen zu machen, denen haben bereits die Frauenversteher von der taz-Wahrheit Asyl angeboten. Also, eine super Sache eigentlich, oder?

Sagen wir so: Zunächst ist der Ansatz nicht ganz neu. Die Kosmetikmarke "Dove" hat bereits 2006 in einer Werbekampagne auf zu dünne Models verzichtet. Und das ganz zu Recht. So gesehen ist es nicht nur konsequent, dass die Debatte um den Mager-Terror bei Models auch in Deutschland weitergeführt wird und die hier meist gelesene Frauenzeitschrift neue Wege geht. Das ist ein Fortschritt. Weshalb sie nicht weiterhin auf professionelle Models setzt, die näher an den gesundheitlich unbedenklichen, natürlichen Idealmaßen sind, bleibt ein Rätsel. Denn die gibt es. Und die bräuchten gerade in der Modebranche mehr Resonanz. Im Gegenzug kündigt Brigitte-Chefredakteur Andreas Lebert lieber großzügig eine professionelle Entlohnung für die zukünftigen Alltagsmodelle an, um eine Diskussion um potentielle Sparmaßnahmen gleich mal abzuwürgen.

Ab 2010 sind wir also alle Models. Theoretisch. Denn "keiner ist mehr vor uns sicher", wie Chefredakteurin Brigitte Huber angedroht hat. Dann warten wir mal ab, wer es als erste von uns auf den Titel schafft. Und immer schön dran denken: Ab jetzt bitte nie, nie mehr ungeschminkt das Haus verlassen! Und vielleicht dann doch wieder mal eine Brigitte-Diät machen?

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