Die Volkszählung ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Während 1983 die Leute straßenzugweise protestierten, um zu verhindern, dass der Staat in ihrem Leben herumschnüffeln darf, ist nun, vor der Zählung, die am 9. Mai beginnt, zwar leichter Gegenwind zu bemerken – aber kein von einer breiten Basis getragener Sturm der Entrüstung. Eine Umfrage ergab, dass 39 Prozent der Befragten gern an der Volkszählung teilnehmen wollen, 32 Prozent stehen ihr gleichgültig gegenüber. Bleibt weniger als ein Drittel der Befragten, die nur ungern Auskunft gäben, falls sie zu den ausgewählten acht Millionen Deutschen gehören, die einen 46 Punkte umfassenden Fragebogen beantworten müssen und deren Antworten mit weiteren Daten, etwa aus Meldeämtern, zusammengeführt werden.
Sind also Abstumpfung und Naivität gewachsen? Oder war die Angst, vom Staat „verdatet“ zu werden, in den achtziger Jahren schlicht überzogen? Die einen jedenfalls beklagen eine durch täglichen Facebook-Besuch geförderte Unbeschwertheit im Umgang mit Daten. Die anderen monieren, der Unterschied zwischen Social Web und Volkszählung sei nun einmal, dass letztere nicht auf freiwilliger Teilnahme basiere – und dass bei der aktuellen Zählung erstens mehr Daten abgefragt würden als notwendig, und zweitens auch nicht nur anonym. Dritte, etwa der Blogger plomlompom, gewinnen der Zählung Gutes ab. Sie sei ein Instrument der Aufklärung: Je detaillierter Daten erhoben würden, desto eher seien ideologische Vereinfachungen wie ‚Volk‘ und ‚Leitkultur‘ zu erschüttern.
Tagsüber ist niemand da
Was tun also, wenn ein Fragebogen ins Haus flattert? Drei Möglichkeiten: ausfüllen. Widerspruch einlegen. Oder ausfüllen auf eine Art, die der „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“ auf zensus11.de (nicht zu verwechseln mit der offiziellen Website zensus2011.de) ins Gespräch gebracht hat: die eigenen Daten durch den Antwortgenerator unter generator.zensus11.de jagen. Wo etwa ein simples „römisch-katholisch“ auf die Frage nach der Konfession verlangt sein könnte, erstellt er einen lebensfrohen Besinnungsaufsatz. Und die Antwort auf die Frage, wie viele Personen im Haushalt leben, kann lauten: „Die Anzahl der Personen in meinem Haushalt ist schwankend. Also, tagsüber ist meistens niemand da, sprich: null.“
Dagegen lässt sich zweierlei einwenden. Erstens: Die Antworten werden wohl auf Erhebungsvordrucken und damit in aller Kürze verlangt. Kann Ärger geben, sich nicht dran zu halten. Zweitens: Humor ist keine Lösung. Kein Humor allerdings auch nicht.