Empfehlung der Woche

Ökonomie der Fürsorge

Ökonomie der Fürsorge

Tim Jackson, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.)

Hardcover, gebunden

480 Seiten

28 €

Zur Empfehlung
Mit der Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen

Constanze Klaue

Drama

Deutschland 2025

Ab 3. April 2025 im Kino!

Zur Empfehlung
Polaroids

Polaroids

Helmut Newton Foundation
Zur Empfehlung

Kultur : Netzschau: Kino.tot? Lang lebe Kino.to!

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion






Gestern gelang der Polizei ein Schlag gegen eines der wohl bekanntesten, deutschen Streamingportale, kino.to. Doch hinter der Sache steckt mehr als bloß ein vermeintlicher Fahndungserfolg

Spiegel Online berichtete zunächst über den Vorfall:

“Wie die Staatsanwaltschaft Dresden auf Anfrage mitteilte, seien 13 Personen verhaftet worden, zwölf in Deutschland und eine in Spanien. Insgesamt seien 14 Haftbefehle ausgestellt worden, nach einer Person werde derzeit gefahndet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Website, auf der widerrechtlich ins Netz gestellte Kinofilme und Serien verlinkt waren, rund vier Millionen Besucher täglich. Die Hauptbeschuldigten sollen siebenstellige Gewinne damit erzielt haben.” SpOn

Auf der Homepage des Portals findet sich seit gestern folgende Nachricht: “Die Kriminalpolizei weist auf Folgendes hin:

"Die Domain zur von Ihnen ausgewählten Webseite wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen geschlossen.

Mehrere Betreiber von KINO.TO wurden festgenommen.

Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben haben, müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.” Polizei via kino.to

Dazu schreibt Udo Vetter:

“Vom letzten Satz auf der neu designten Startseite von kino.to sollten sich Nutzer der Seite nicht zu sehr verängstigen lassen. Es ist keineswegs ausgemacht, dass das bloße Betrachten von Streams, wie sie kino.to angeboten hat, eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Es fehlt nämlich an der notwendigen Vervielfältigung des Films, da auf dem Rechner des Nutzers keine Kopie gespeichert wird. Wenn die Polizei also tatsächlich meinen sollte, die einfache Nutzer von kino.to belangen zu können, begäbe sie sich auf ziemlich glattes Parkett.” lawblog

Marcel Weiss ordnet den vermeintlichen Erfolg ein und erinnert an Napster:

“kino.to ist das zentrale illegale Streaming, so wie Napster die zentrale Tauschbörse war. Keine noch so große Razzia wird die oben beschriebene Entwicklung aufhalten. So sehr man das Gebahren der kino.to-Betreiber verachten mag (und ja, es ist verachtenswert), der Entertainment-Industrie ist kaum geholfen. Das Problem bleibt bestehen. Das Problem heißt Digitalisierung. Es wird lediglich an Symptomen herumgedoktert.” neunetz.com

Einen flapsigen Zugang findet der Postillon:

“Die überraschende Schließung der Streaming-Seite kino.to ist nicht nur ein großer Erfolg im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen, sondern hat auch negative Auswirkungen auf Millionen User in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Sie alle sind nun dazu gezwungen, im Schnitt zwei Minuten nach einer neuen Plattform zu suchen, wo sie sich Filme und Serien halblegal und gratis ansehen können.” Der Postillon

Während Johnny Häussler auf Spreeblick mahnt:

“Jedes weitere kino.to, mit dem auf illegale Weise Millionen verdient werden, verstärkt den Ruf nach härteren Gesetzen und nach stärkeren Anbieter- und Nutzer-Kontrollen. Dass man sich also mit der Nutzung solcher Angebote wirklich aktiv für positive Veränderungen in den Bereichen der Unterhaltungsindustrie und Urheberrechtsgesetze einsetzt, bezweifle ich stark. Denn das eine Falsch macht das andere nicht richtiger.” Spreeblick

Ein Interview mit einem Uploader (“Kino.to ist noch nicht zu Ende.”) findet sich hier.

Update: Kino.to-Hacker rächen sich an der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen.

Update 2: Mutmaßliche Kino.to-Betreiber bleiben in Haft.

Randnotiz: Das Leben geht weiter.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.