Für die Grünen zu bundeswehrfreundlich – bei der Piratenpartei auf Platz 6 der Landesliste in Schleswig-Holstein
Erinnert sich noch jemand an Angelika Beer? Sie galt lange Zeit als Linke bei den Grünen, auf der Nieder-wieder-Deutschland-Demonstration im Mai 1990 in Frankfurt/Main ging sie in der ersten Reihe. Während die meisten ihrer Mitdemonstranten den Grünen goodgye sagten ging Angelika Beer ging mit ihrer Partei in die Mitte der Gesellschaft und pries bald den Staat und seine Apparate. Besonders den zivilisatorischen Wert der Bundeswehr lernte sie im Jugoslawienkrieg schätzen. Dabei ging sie mit ihrer Empathie für die deutschen Soldaten sogar noch über Fischer und Co. hinaus. Während für die, die Verteidigung des ersten deutschen Kriegseinsatzes nach 1945 vor allem eine Sache des Machterhalts war, ging Beer in der Verteidigung der Bundeswehr grünenmäßig auch emotional ganz auf. Sie machte das mit soviel Verve, dass es selbst der grünen Basis peinlich wurde. Sie stellten die langjährige Europaabgeordnete einfach nicht mehr auf. In der SPD war für die Olivgrüne auch gerade kein Platz frei und Beer zog sich zunächst schmollend ins Privatleben zurück.
Jetzt hat sie sich wieder an die Politfront zurückgemeldet. Für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein kandiert sie auf Platz 6. Sollten die Piraten über die Fünfprozent kommen ist die Ex-Olivgrüne wieder im Parlament.
Für die Medien ist die receyclte Grüne durchaus eine Meldung wert. Aber über den konkreten Grund für ihren grünen Karriereknick wird die Frau, welche die Bundeswehr zu sehr liebte, nicht befragt. Teilweise sind die Hintergründe nicht mehr bekannt. Teilweise wird auch Rücksicht auf die Piratenpartei genommen, die ja immer noch in einen Findungsprozess ist. Bei ihrer Jahreseröffnungspressekonferenz kokettierten führende Piraten damit, nicht auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Die Haltung zum Afghanistankonflikt gehöre dazu. Sehr wolkig wurde das Nichtpositionieren damit begründet, dass man auf die Schwarmintelligenz setzte und das brauche Zeit. Dabei könnte zumindest das Nichtpositionieren bei Militärseinsätzen einen viel simpleren Grund haben. Die bundeswehrfreundliche Position der Angelika Beer dürfte auch in ihrer neuen Partei nicht von Allen geteilt werden. Aber vielleicht erweist sich Beer auch wieder als anpassungsfähig, so wie sie es von ihrem Marsch von der Nie-wieder-Deutschland-Demo bis zur Olivgrünen bereits in den 90er Jahren vorexerzierte. Bei der Frauenquote hat sie sich dem Mainstream ihrer neuen Partei schon angesagt: „Ich war als Grünen immer Quotenfrau, und ich möchte keine Quote bei den Piraten“, sagte sie im Interview mit der taz (www.taz.de/Angelika-Beer-ueber-Piraten-und-Gruene/!85393/ ). Auf ihre militärpolitische Postion wird dort gar nicht erst eingegangen.
Da die Presse sie nicht dazubefragt, ob sie ihre Haltung zur Bundeswehr ebenso flexibilisiert hat,könnten interessierte Beer selber unter angelika.beer@t-online.de befragen.
Peter Nowak