Es reicht! Der Kerl sieht nicht besonders gut aus, hat einen mäßig guten Witz und scheffelt Kohle ohne Ende. Das wollen wir auch und das können wir auch. Eine Anleitung
Das Wichtigste ist ein großes Ego. Das muss sein. Immerhin kann es sein, dass Sie Kritiken aushalten müssen, in denen Sie als „peinlichster Berliner“ beschimpft werden, der durch „grenzdebilen Brachialhumor“ und „dummes Zeug“ (Tip) auffällt. Es darf Sie nicht schmerzen, gegebenenfalls als „Durchschnittstyp mit Bauchansatz und fliehendem Haaransatz“ (Abendzeitung Nürnberg) beschrieben zu werden, der im Allgemeinen „altbackenen Machohumor für intellektuell Minderbemittelte“ (Stupidedia) macht und dessen neues Programm im Speziellen „eine einzige geistige Lücke“ sei, die „mit Klischees“ aufgefüllt ist und in einer „niveaufreien Atmosph
tvertrauen Das Wichtigste ist ein großes Ego. Das muss sein. Immerhin kann es sein, dass Sie Kritiken aushalten müssen, in denen Sie als „peinlichster Berliner“ beschimpft werden, der durch „grenzdebilen Brachialhumor“ und „dummes Zeug“ (Tip) auffällt. Es darf Sie nicht schmerzen, gegebenenfalls als „Durchschnittstyp mit Bauchansatz und fliehendem Haaransatz“ (Abendzeitung Nürnberg) beschrieben zu werden, der im Allgemeinen „altbackenen Machohumor für intellektuell Minderbemittelte“ (Stupidedia) macht und dessen neues Programm im Speziellen „eine einzige geistige Lücke“ sei, die „mit Klischees“ aufgefXX-replace-me-XXX252;llt ist und in einer „niveaufreien Atmosphäre irgendwo zwischen Sandkasten und Pilsbar“ (Nürnberger Nachrichten) Lacher erntet.Sie müssen Ihre Fans lieben. Dazu können unglücklicherweise auch Menschen wie der 29-jährige Patrick R. zählen, der dadurch in die Schlagzeilen geriet, dass er seine Tochter verhungern ließ und im Zuge dessen erzählte, dass er für Mario Barth-Filme schwärmt. Das muss man aushalten können.Auch wenn die Financial Times Deutschland schaudernd schreibt, es dürfte mehr als schwierig sein, „einem Briten zu erklären, warum wahlberechtigte Deutsche Geld dafür ausgeben, Mario Barth beim Reden zuzusehen“, darf Sie das - wie ihr großes Idol - nicht irritieren oder davon abhalten, weiterhin aufzutreten. Nehmen Sie es wie Barth mit, tja, Humor, oder, ähm, als Kompliment, wenn Sie mit dem italienischen Staatsoberhaupt verglichen werden: „Über einen Mario Barth-Scherz in Wiehern auszubrechen“ sei so „verboten wie Silvio Berlusconi lustig zu finden“, findet Jörg Thadeusz.Dabei ist es doch eine wunderschöne Gabe, wenn man, frei nach Kant, in „besonderem Maße selbstbewusst“ ist und sich „als Individuum der wertkonformen Gruppe gegenüberstellt“. Auch Sie schaffen es, nicht-wertkonforme Sätze vor anderen Menschen zu sagen, ohne sich dumm vorzukommen? Prima!Wenn nicht, üben Sie es. Am besten mit ein paar bewährten Sätzen des Ex-Elektronikers Barth. Trauen Sie sich ruhig, zu einer Polizistin zu sagen: „Dann schreib mal auf, wennde kannst! Bist wohl die Schwester meiner Frau, wa, willst mich auch fertig machen!? Und da vorne isn Mc Donalds: Sechser Chicken McNuggets und, hier, fünf McRib.“ Ein Brüller.2. Ein ordentliches Bühnenoutfit Verwirren Sie ihr Publikum nicht mit hektischem Bühnenoutfit-Wechseln. Keine Experimente. Mario Barth trägt auch immer das gleiche orange T-Shirt.Vermeiden Sie es unbedingt, Idol-T-Shirts zu tragen. Das ist peinlich. Also: Finger weg von Mario-Barth-Shirts. Die geben mit ihren eigenwilligen elliptischen Imperativen Ihrem Publikum sowieso nur Denkaufgaben („Janz wichtig: Fresse halten angesagt“), ersticken eventuelle Lacher im Keim und sind nicht schön.Die Faustregel hier: Die witzigsten Komiker trugen einst wie heute unauffällige, schlichte Kleidung (u.a. Martin Sonneborn, Rüdiger Hoffmann). Außerdem: Wer Eigenwilliges mit Allgemeingültigkeit („Wir Männer…“) und mit an Megalomanie/Größenwahn grenzendem Selbstbewusstsein vorträgt, darf nicht auch noch eigenwillig aussehen. Sonst gelten Sie leicht als Spinner. Schlichtheit ist Trumpf.3. Die passenden Witze Wie bei der Wahl des Outfits gilt auch hier: keine Experimente. Machen Sie es einfach wie Multimillionär Mario Barth. Auf seiner aktuellen Live-CD Männer sind peinlich, Frauen aber auch! erzählt er von drei Reisen: Eine auf Mallorca, eine ins Chakra-Hotel in die Schweiz und als Zugabe eine nach New York City.Eigentlich weiß jeder schon vorher, was kommt: Alte Witzchen über das Erlebnis Flughafen, das noch viel größere Abenteuer Autofahrt, um das riesengroße Abenteuer Alltag, das eben besonders groß ist, wenn man sich als Mann mit einer Frau darauf einlässt:Frauen packen Kleidung in einen Koffer, dabei braucht man doch nur einen Flaschenöffner auf Malle. Höhö. Eine Frau als Co-Pilotin ist beunruhigend, denn Frauen können ja nicht mal einparken. Hihi. Frauen brauchen schon mal zehn Minuten, um etwas zu „raffen“. Ahahahaha. Sexistisch? Iwo! Trauen Sie sich! Mario Barth schafft es ja auch, so zu tun, als mache er Randgruppenwitze, wenn er die Hälfte der menschlichen Bevölkerung beleidigt.Barths Anekdötchen folgen brav dem Schema: „Frauen sind doof, Männer aber nicht!“ Kleiner Geheimtipp: So dürfen Sie Ihr Album aber nie nennen. Die Männer schämen sich an der Kasse im CD-Geschäft, die Frauen kaufen die CD dann nicht, haha.4. Der angemessene Duktus Es kommt also weniger darauf an, was Sie sagen, sondern wie Sie es rüberbringen. Mario Barth ist ein Phänomen. Galt bisher im Komik-Fachbetrieb immer die Hypothese, einen Gag oder Witz, eine Schote, Anekdote oder ein Kalauer müsse in jedem Falle mit ernster Miene und unbeteiligtem Gesicht vorgetragen werden, beweist Mario Barth, dass dem nicht so ist. Er lacht selbst vor jedem seiner Witze – das sollten sie auch tun.5. Das richtige PublikumNun das Wichtigste: Finden Sie Fans! „Jeder Witz verlangt so sein eigenes Publikum“, schrieb Freud in seinem Klassiker Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Suchen Sie sich ein Publikum, das zu Ihnen passt. Mario Barth macht es vor: Zum Thema „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch“ dürfte man es nicht schwer haben, die passenden Zuhörer zu finden: Entweder Sie sind ein Mann. Oder eine Frau. Oder peinlich. Mario Barth gelang es am 12. Juli 2008, einen Weltrekord aufzustellen. 67.733 Besucher kamen ins Berliner Olympiastadion um sein Programm „Männer sind primitiv, aber glücklich!“ zu sehen. Doch so beeindruckend dieser Rekord auf den ersten Blick auch scheinen mag: Erfolg ist relativ. Alle zwei Wochen füllt sich das Westfalenstadion in Dortmund mit 80 552 Fußballbegeisterten, in Deutschland besuchen täglich 430.000 Schüler eine Sonderschule, hahaha.