Für die Firma Facebook hat das Jahr 2011 denkbar gut begonnen. Zu den 50 Millionen Dollar, die die russische Mail.ru Group gerade in das soziale Netzwerk investierte, gesellten sich gleich weitere 450 Millionen Dollar der US-Bank Goldman Sachs. Mail.ru, bis Herbst 2010 noch Digital Sky Technologies, hat damit seinen Anteil an Facebook ein weiteres Mal erhöht; erst im Frühjahr hat es den Chat-Dienst ICQ gekauft. An Zynga, dem erfolgreichsten Entwickler von social games, und der Schnäppchen-Plattform Groupon ist man freilich ebenfalls beteiligt. Keine Frage also, worum es geht: Billiger sind solche wertvollen Daten über Interessen und Vorlieben von Millionen Menschen nicht zu haben.
Die Investition von Goldman Sachs wiegt dagegen nicht nur finanziell schwerer, sondern scheint auch bedeutungsträchtiger: Die US-Bank hat schon Ebay im Jahr 1998 bei dessen Börsengängen unterstützt. Am vergangenen Sonntag erhielten laut New York Times ausgewählte Goldman-Sachs-Kunden eine E-Mail, in der eine Beteiligung an einem „privaten Unternehmen, das über eine Kapitalsteigerung nachdenkt,“ angeboten wurde. Dass damit Facebook gemeint ist, steht für die meisten außer Zweifel. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen mittlerweile davon aus, dass Facebook, dessen Wert nach den jüngsten Investitionen auf 50 Milliarden Dollar geschätzt wird, spätestens im Jahr 2012 an die Börse gehen wird.
Knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung
Auch das Vermögen des Facebook-Gründers und Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg hat sich auf einen Schlag verdoppelt. Damit spielt Zuckerberg endlich in derselben Liga wie die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin. Doch nicht nur die Kontoauszüge gleichen einander mittlerweile, sondern auch die Nutzerzahlen. Während manche Statistiken das soziale Netzwerk noch auf dem weltweiten Platz zwei zählen, vermelden andere, dass es Google bereits überholt habe. Je um die acht Milliarden Seitenaufrufe täglich verzeichnen die beiden Websites. Und etwa 600 Millionen User – oder anders gesagt: knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung.
Das bedeutet noch längst nicht das Ende der Suchmaschine, aber vielleicht den Anfang von diesem Ende. Denn auf Facebook herrscht, soviel scheint sicher, wesentlich mehr Betrieb als auf Google. Facebook schickt die Menschen nämlich nicht gleich wieder weg, sondern hält sie auf der eigenen Website. Foto, Video, Audio, Games, Mail: Im Grunde gibt es nichts Digitales mehr, das sich nicht auf Facebook erledigen ließe.
Zudem geht es längst nicht mehr um das Suchen, sondern um das Finden; ein weiteres Problem also für Google. Das World Wide Web wird größer mit jedem Tag, und dagegen können auch die intelligentesten Algorithmen nichts ausrichten. Oft genug nervt die Google-Suche nur noch, weil man nach drei, vier Ergebnisseiten immer noch nicht da angelangt ist, wo man hinwollte; weil man nur auf andere trifft, die dieselbe Frage haben; weil man bloß esoterischen Quatsch und wieder nur weitere Links findet.
Selbst die erweiterte Suche von Google kann daran wenig ändern, denn auch sie vergleicht am Ende nur Buchstaben miteinander und listet Identitäten auf. Auf Facebook dagegen muss ich nichts suchen, da kuratieren meine so genannten Freunde die Informationen für mich. Sie werden zu meinen ganz privaten Gatekeepern – und übernehmen als solche langsam die Rolle, die bislang anderen Medien wie der Zeitung oder dem Fernsehen vorbehalten war.
Katrin Schuster ist auch auf Facebook und hat dort 132 Freunde (Stand 6. Januar 2011)