Bernd Woick war damals 22 Jahre alt. Er interessierte sich für Beatmusik und organisierte Tanzveranstaltungen. Obwohl er dem Gerücht vom Stones Konzert auf dem Dach des Axel-Springer-Hauses nicht so ganz glaubte, zog er am 7. Oktober 1969 durch die Straßen Ost-Berlins. Einen ausführlichen Bericht finden sie hier. Woick wurde Augenzeuge des Auflaufs der Jugendlichen und der Repressionen der Polizei- und Staatssicherheitskräfte. Als Hobbyfotograf hielt er seine Eindrücke auf Fotos fest. Als zwei Sicherheitskräfte auf den jungen Mann mit Teleobjektiv aufmerksam wurden, flüchtete er in das damalige Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz. Im Fahrstuhl legte er einen neuen Film ein, versteckte jenen mit den Aufnahmen in einer Socke. Die Verfolger hatten ihn aus den Augen verloren. Die Bilder lagerten fast 40 Jahre vergessen im seinem Archiv. Woick, der heute mit seiner Frau in Sachsen-Anhalt lebt, arbeitet dort als Anwalt. Auf der Ausstellung "Rock! Jugend und Musik in Deutschland" traf er 2005 zufällig auf den Kurator Bernd Lindner. Sie stellen fest, dass sie sich von früheren Musikveranstaltungen kannten und kamen ins Gespräch. Als Lindner, inzwischen Professor für Geschichte, beklagte, dass es keine Fotos von dem vermeintlichen Stones-Konzert gäbe, erinnerte sich Woick an seine Bilder. Einige von ihnen erschienen in Linders 2008 veröffentlichten Buch DDR Rock Pop. Der Freitag zeigt nun erstmals eine größere Auswahl von Woicks Fotos.