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Politik : Kunde David gegen Goliath Amazon

Der Versandhändler beschäftigt tausende Erwerbslose zum Teil auf Staatskosten. Eine Gesetzeslücke erlaubt das. Nun schlägt das Internet zurück: Blogger rufen zum Boykott auf

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Eine Lücke im Gesetz macht es dem Internet-Händler Amazon möglich, saisonal befristet Arbeitskräfte zu beschäftigen, die teilweise von den JobCentern und nicht vom US-Giganten bezahlt werden. Die Sozialgesetzgebung erlaubt, dass "zur Einarbeitung" befristet angestellter Arbeitnehmer diese bis zu vier Wochen weiter Leistungen durch die Arbeitsagentur beziehen, statt eines branchenüblichen Lohnes durch das Unternehmen. Bei deb Behörden heißt es, dies sei "ein Fehler, der korrigiert werden muss".

Gegen die Praxis regt sich nun auch Widerstand im Internet. Erste Kunden haben bereits ihre Konten bei dem Internetversender geschlossen, da sie nicht mit dessem Verhalten einverstanden sind und "unethisches Verhalten" nicht noch fördern wollen. Auch eine Reihe von Blogs, darunter die Nachdenkseiten oder Der Spiegelfechter, haben ihre Partnerprogramme mit Amazon.de gekündigt. Man werde, heißt es bei den Nachdenkseiten „künftig weder bei eigenen, noch bei von uns empfohlenen Büchern auf Amazon verlinken. Man kann Konzernen wie Amazon nicht jede Schweinerei durchgehen lassen. Uns ist jedoch klar, dass dieser Boykott für uns mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist.“

Zwar ist auch den Bloggern bekannt, dass es sich um ein Fehlkonstrukt im Recht handelt, das diese Praxis erst möglich und auch legal macht. Sie sehen aber auch den US-Konzern in der Verantwortung. „Vor allem im Vorweihnachtsgeschäft sollte Amazon schmerzlich am eigenen Leibe erfahren, dass es auch wirtschaftlich von Nachteil sein kann, wenn sich man durch Gesetzeslücken auf unsoziale Art und Weise Vorteile verschaffen will“, sagt Spiegelfechter Jens Berger.

Amazon.de, bereits schon früher in der Kritik wegen der dort teilweise herrschenden Arbeitsbedingungen, sieht sich als Goliath nun von ein paar Davids herausgefordert. Dass dies für den Internetversender offenbar noch keine ernsthafte Herausforderung ist, zeigt das bisherige Verhalten bei Medien- oder Kundenanfragen zum Thema. Amazon hält sich bedeckt, verweist auf die Legalität seines Handelns und antwortet bei kritischen Kundenanmerkungen mit Versatzstücken aus dem Phrasenbaukasten. Dies aber könnte sich schnell ändern, sollte es im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft zu spürbaren Umsatzeinbußen kommen.

Schon haben sich weitere deutsche Blogs dem spontanen Boykott-Aufruf angeschlossen. Der Philosoph Dr. Klaus Baum sammelt in seinen Notizen aus der Unterwelt Beispiele für Blogger, die Amazon bereits den Rücken gekehrt haben. Noch kein "Flashmob", keine Lawine – aber möglicherweise schon ein Schneeball, vor allem aber ein Zeichen für zunehmendes Bewußtsein bei den Verbrauchern: Das Verhalten des globalen Internethändlers mag juristisch korrekt sein - "ethisch einwandfrei" ist es deshalb noch lange nicht.

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