Im 14. Jahrhundert gab es zwei Pandemien. Die eine war der Schwarze Tod, die andere die Kommerzialisierung der Kriegsführung. Söldner hatte es zwar auch zuvor schon gegeben. Doch erst unter dem englischen König Edward III. wurden sie in den ersten 20 Jahren des Hundertjährigen Krieg zu einem Standbein der englischen Armee. Als Edward dann 1360 den Friedensvertrag von Brétigny unterschrieb und seinen Soldaten befahl, nicht länger zu kämpfen und nach Hause zu gehen, hatten viele von ihnen keine Heimat mehr, in die sie hätten zurückkehren können. Sie waren ans Kämpfen gewöhnt und verdienten damit ihr Geld. Also fanden sie sich einfach zu unabhängigen Armeen – so genannten freien Kompanien – zusammen, die plünder
Politik : Dankt Gott für Saddam Hussein
Wenn die USA Truppen im Irak oder in Afghanistan stationiert haben, sind auch die Dienst privater Sicherheitsagenturen gefragt. Derzeit schielen sie auf den Iran
Von
Terry Jones
The Guardian
Übersetzung: Zilla Hofman
dernd, mordend und vergewaltigend Frankreich durchstreiften.Eine dieser Einheiten nannte sich Große Kompanie, umfasste Schätzungen zufolge insgesamt 16.000 Soldaten und war damit größer als jede damals existierende Nationalarmee. Schließlich fiel die Große Kompanie in Avignon über den Papst her und forderte ein Lösegeld. Der machte den Fehler, sich mit einer enormen Summe freizukaufen, was seine Entführer nur ermutigte, weiter zu marodieren. Außerdem legte er ihnen nahe, nach Italien zu ziehen, wo in Mailand seine Erzfeinde – die Viscontis – regierten. Damit hatte ein Alptraum begonnen. Gemessen an den Verheerungen, die sie anrichteten, standen die riesigen Banditenarmeen, die in Europa wüteten, der Pest in kaum etwas nach. Es schien, der Teufel sei aus der Flasche gelassen – es gäbe keine Möglichkeit, ihn wieder hinein zu befördern. Die Kriegsführung war plötzlich zu einem profitablen Geschäft geworden; die italienischen Stadtstaaten verarmten, weil die Gelder der Steuerzahler verwendet wurden, um sich von den freien Kompanien loszukaufen. Und da diejenigen, die am Kriegsgeschäft verdienten, natürlich auch weiter damit Geld machen wollten, war ein Ende nicht abzusehen.Unser Geld wird abgesaugt Spulen wir 650 Jahre vor. Die USA unter Präsident Bush beschließen, durch das Anheuern von „privaten Vertragspartnern“ wie der sich inzwischen Xe Services nennenden Firma Blackwater Company die Invasion des Irak zu privatisieren. 2003 gewinnt Blackwater einen Alleinanbieter-Vertrag für den Schutz Paul Bremers, des damaligen Chefs der Übergangsverwaltung im Irak. Seit 2004 hat die Firma für den Schutz von US-Staatsangestellten in Konfliktgebieten über 320 Millionen Dollar erhalten. Und 2011 unterzeichnete die Obama-Regierung mit Xe Services einen Vertrag über eine Viertel Milliarde Dollar für den Sicherheitsschutz in Afghanistan. Dabei ist Xe nur eines von vielen Unternehmen, die ihr Geld mit dem Kriegswesen verdienen.Im Jahr 2000 veröffentlichte das Project for the New American Century einen Report mit dem Titel Rebuilding Americas Defences, in dem eine Erhöhung des US-Verteidigungsbudgets von 3,0 auf 3,5 oder 3,8 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes befürwortet wurde. Heute beläuft sich der Anteil auf 4,7 Prozent des BIP. Ganz wie bei den Steuerzahlern der mittelalterlichen italienischen Stadtstaaten wird unser Geld abgesaugt und in das Geschäft des Krieges geblasen. Jede verantwortliche Firma muss ihren Anteilseignern Profite verschaffen. Im 14. Jahrhundert waren das die freien Kompanien, die Soldaten selbst. Wurde die Kompanie nicht von jemanden angeheuert, um gegen jemand anderen zu kämpfen, mussten die Anteilseigner auf ihre Dividende verzichten. Also schauten sie sich um und versuchten, Märkte für die eigene Betätigung zu schaffen.Jetzt also Iran Vor 20 Jahren steckte ich mir einmal eine interne Zeitschrift der Waffenindustrie ein. Der Leitartikel trug die Überschrift Dankt Gott für Saddam und legte dar, die Auftragsbücher der Branche seien seit dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Ende des Kalten Krieges leer, es gäbe aber einen neuen Feind, und man könne sich auf einen Goldregen freuen. Der Einmarsch in den Irak war um eine Lüge herum aufgebaut: Saddam hatte keine Massenvernichtungswaffen, aber die Verteidigungsindustrie brauchte einen neuen Feind und die Politik versorgte sie damit.Und nun rufen die gleichen Kriegstrommeln – bestärkt durch den Sturm auf die britische Botschaft vor zwei Wochen – zum Angriff auf den Iran. Im Magazin New Yorker schreibt Seymour Hersh: „Das gesamte gering angereicherte Uran, von dem man nun weiß, dass es im Iran hergestellt wird, lässt sich erklären.“ Der jüngste Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der einen großen Aufschrei gegen die nuklearen Ambitionen des Iran auslöste, so Hersh weiter, enthalte keinerlei Beweise dafür, dass der Iran nukleare Waffen entwickle.Im 14. Jahrhundert lebte die Kirche in Symbiose mit dem Militär. Heutzutage sind es die Politiker. 2010 gab die US-Regierung schwindelerregende 687 Milliarden Dollar für die „Verteidigung“ aus. Man überlege sich einmal, was mit diesem Geld alles angestellt werden könnte, wenn es etwa in Krankenhäuser, Schulen oder die Tilgung von Hypotheken gesteckt würde.Bei seiner Abschiedsrede an die Nation im Jahr 1961 nutzte der scheidende US-Präsident Dwight D. Eisenhower bekanntermaßen die Gelegenheit, seine Mitbürger vor der Gefahr zu warnen, die mit einer zu engen Beziehung zwischen Politikern und der Verteidigungsindustrie verbunden sei. „Wir in den Regierungsräten müssen uns vor unbefugtem Einfluss – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen.“ Es ist vorhanden und wird wieder aus der Flasche gelassen.