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Politik : Liebesschwüre auf die Nation

Nicolas Sarkozy buhlt mit Slogans wie „Frankreich lieben, das heißt, die Einwanderung steuern“ um frustrierte UMP-Wähler, die zum Front National abwandern

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Nun hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auch offiziell wissen lassen, er wolle erneut für das höchste Staatsamt kandidieren. Und es gab die erste große Wahlkampfshow in Marseille. Der Ort ist kein Zufall – Marseille gilt als Hochburg von Sarkozys Union pour un mouvement populaire (UMP) wie auch des rechtsradikalen Front National (FN). Da lohnt es sich, die Glacéhandschuhe abzustreifen und den nationalen Schutz­patron zu markieren, der Frankreich vor den Härten des Eurodesasters bewahrt. In den Minuten 39 bis 41 der einstündigen Rede fiel das Wort Frankreich ganze 19 Mal. Deutschland blieb dagegen ausgeblendet.

Dabei hat der Präsident den Franzosen zuletzt das „deutsche Muster“ so nachdrücklich empfohlen für wirtschaftlichen Erfolg. Offenbar hat sich die Strategie geändert. Enttäuschte Wähler werden nun mit Liebeserklärungen an Frankreich geködert. Der Slogan „das starke Frankreich“ hat den Vorteil, Gegner als vaterlandslose Gesellen geißeln und sich selbst als „Kapitän in stürmischer See“ preisen zu können. Sprüche wie „Wir haben die Katastrophe verhindert“ und „Frankreich lieben, das heißt, die Einwanderung steuern“ appellieren an rechte Wähler. Denn sie könnten im zweiten Wahlgang den Ausschlag geben. Die jüngeren Zuhörer in Marseille – bestens mit blau-weiß-roten Fahnen ausgestattet – gerieten vor Begeisterung aus dem Häuschen. Und sogar der ehemalige sozialistische Erziehungsminister Claude Allègre outete sich als Anhänger: „Man braucht Nicolas Sarkozy, weil wir in einer tiefen Krise stecken“.

Was geschieht am 6. Mai

?

Doch ob Shows die Glaubwürdigkeitslücke schließen helfen, die dem Präsidenten zu schaffen macht, bleibt fraglich. Gebrochene Wahlversprechen aus dem Jahr 2007 verfolgen ihn auf Schritt und Tritt. Mit der Ankündigung, bei umstrittenen Fragen das Volk direkt zu be­fragen, will Sarkozy verlorenes Vertrauen in die soziale Balance seiner Politik zurückgewinnen. Sarkozy buhlt um frustrierte UMP-Wähler, die zum Front National abwandern. Marine Le Pen, die Spitzendkandidatin des FN, hat zwar die 500 für ihre Wahlzulassung nötigen Unterschriften von Amtsträgern noch nicht ganz beisammen; doch bleiben gute Chancen, das zu schaffen. Die prognostizierten 15 bis 17 Prozent FN-Wähler bilden das Zünglein an der Waage im Kampf für das voraussichtliche Stechen am 6. Mai. Bleiben sie an diesem Tag zu Hause, hat Sarkozy so gut wie verloren. Wählen sie aber Sarkozy, kommt der Sozialist François Hollande in Schwierigkeiten.

Und wie immer, wenn französische Präsidenten um parlamentarische Mehrheiten fürchten, zog auch Sarkozy in Marseille das Verhältniswahlrecht aus dem Hut, freilich ohne das Wort „Verhältnis“ in den Mund zu nehmen. Die kleinen Parteien sind durch das Mehrheitswahlrecht benachteiligt. Also winkte Sarkozy mit einem Zugeständnis – eine kleine Dosis Proportionalwahlrecht könnte eine Koalition mit den Liberalen oder den Grünen ermöglichen und eine „Cohabitation“ mit einem sozialistischen Premierminister vermeiden. Das An­gebot richtete sich offenbarne an Präsidentschaftskandidat François Bayrou von der Zentrumspartei, der aber indigniert meinte, auf Almosen könne er verzichten. Letztlich zeigt Sarkozys Griff in die Trickkiste vor allem, wie unsicher er geworden ist.

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