Der Schwund bei den etablierten Printmedien in Nordamerika und Westeuropa wirkt sich immer mehr auf die Themenwahl aus. Und das zu Lasten der Bedürfnisse des Südens
Die weltweiten Rezession setzt Dominosteine auf praktisch allen wirtschaftlichen und sozialen Feldern aneinander. Trotzdem konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Medien vorrangig dort auf die Krise, wo Machtzentren erschüttert werden. Die Peripherie interessiert weniger, obwohl dort die chronische Armut so vertieft wird, dass die Folgen für die Menschen mehr als dramatisch sind.
Wir beobachten das nun seit einem Jahr und zwar Tag für Tag. Auf der ersten Seite dominiert die Berichterstattung über die Tausenden Millionen von Dollars und Euros, die die Industrieländer in ausufernder
uf der ersten Seite dominiert die Berichterstattung über die Tausenden Millionen von Dollars und Euros, die die Industrieländer in ausufernder Weise zur Rettung ihrer Banken aufwenden, über Krisensitzungen, Tagungen und Debatten in den Hauptstädten des Nordens, über die steigende Arbeitslosigkeit und fallenden Wachstumsraten in den entwickelten Ländern. Das Finanzsystem und die Rezession in den übrigen zwei Dritteln der Erde finden kaum Erwähnung. Und wenn, dann bestenfalls in fragmentierten sensationslüsternen Kurznachrichten.Diese ungleiche Behandlung von Informationen zugunsten des Nordens und zum Nachteil des Südens ist eigentlich nichts Neues, wirkt aber besonders krass inmitten einer Wirtschaftskrise, bei der es dringend geboten wäre, dass sich die öffentliche Meinung auch in Kenntnis der Lage in Afrika oder Asien bildet.Globale Themen lassen sich schlecht verkaufenGleichzeitig gehen essentielle Veränderung in den Massenmedien selbst vor sich, so dass besonders bei den Tagesmedien der Raum für internationale Themen schrumpft, besonders für globale, „die sich schlecht verkaufen lassen“ wie Armut, Klimawandel, nachhaltiges Wachstum, Menschenrechte, Demokratisierung oder Sicherheitsfragen (verstanden als friedliche Lösung von Konflikten). Während die wirtschaftliche Depression, auch wenn sie noch so ernst ist, früher oder später in irgendeiner Form überwunden wird, und vermutlich wieder eine Phase des Wachstums eintritt, so ist die Transformation der Massenmedien eher strukturell. Die Tendenz der Berichterstattung, internationale Information über globale Prozesse zu verringern, scheint eine eher längerfristige zu sein.Die sich fortsetzende Abwärtsbewegung der traditionellen Printmedien ist dem Wettbewerb mit dem Fernsehen geschuldet und wird nun beschleunigt durch die Konkurrenz im Internet, dazu kommt das Erscheinen von gedruckten und elektronischen Medien, die gratis zu beziehen sind und sich vollständig über den Umweg der Werbung finanzieren.In den USA ist während der vergangenen Jahre die Zahl der Leser von Online-Informationen um 17 Prozent angestiegen, allein seit 2008 hat die Zahl der Leser der größten 50 Websites um 27 Prozent zugenommen. Hier zeigt sich sehr deutlich, wohin die Leser der Printmedien abwandern. Gleichzeitig ist ein wesentlich größerer Teil der Werbung von den Printmedien abgezogen worden und in die Online-Ausgaben gesteckt worden. Trotzdem erreicht heute noch die Gesamtauflage von Tageszeitungen in den USA 48 Millionen. Und einige Erzeugnisse machen immer noch Gewinne.Mit der Online-Version allein könnte die "New York Times" noch 20 Prozent der Belegschaft haltenUm zu überleben, reduzieren die Verlage die Belegschaft der Redaktionen, schließen Auslandsbüros, verschulden sich neu, verkleinern Formate oder sparen Seiten. Es gibt Schätzungen, wonach 2008 in den USA der journalistische Bereich um zehn Prozent geschrumpft ist. In den Jahren zwischen 2001 bis 2009 werden die journalistischen Arbeitsplätze um 25 Prozent geschrumpft sein.Das erklärt auch die verbreitete Sorge, dass in nächster Zukunft die gedruckte Ausgabe einer Zeitung wie der New York Times eingestellt werden muss, weil sie etwa 400 Millionen Dollar Schulden mit sich herumschleppt. Dann würde es das Traditionsblatt nur noch online geben. Doch mit einer solchen Version allein könnte die NYT nur noch 20 Prozent der Belegschaft halten.Wir stecken also mitten in einem widersprüchlichen Prozess, der selbst bei verbesserten ökonomischen Bedingungen nur teilweise gedämpft werden kann. Es gibt allen Grund zu befürchten, dass daraus auch negative Folgen für die Berichterstattung über zentrale entwicklungspolitische Themen erwachsen. Die Medien, die sich darum bemühen, verlieren an Einfluss und bekommen Probleme, die Berichterstattung zu konzentrieren, die anderen, die tonangebenden, werden weiter ihre Themen auf der internationalen Agenda durchsetzen.Die kleineren Medien könnten eine Art Austauschnetzwerk zum Thema Entwicklungspolitik aufbauen, um den Aufwand für Expertise und professionelle Information zu teilen (ähnlich wie es die großen Medienkonzerne machen). Es würde freilich einer massiven Anstrengung bedürfen, um die eingangs erwähnten negativen Einflüsse zu überwinden. Dies kann nicht von den Kommunikationsprofis im Alleingang in Angriff genommen werden. Es ist ein Kampf, an dem sich die zivile Gesellschaft als Akteurin im Eigeninteresse beteiligen müsste. Auch die akademischen Zirkel, die sich mit der Ausbildung von entwicklungspolitischen Kadern beschäftigen, müssen sich dieses Problems annehmen.