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Kultur : Sag Nein zu Powerpoint!

Folien, die zu oft benutzt werden, bergen politisches Potenzial: Die Schweizer Anti-Power-Point-Partei APPP kämpft nun gegen den Zwang zur Powerpoint-Präsentation

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Genervtvon langweiligen Präsentationen mit langweiligen Powerpoint-Folien? Keine Angst, es gibt Hoffnung! In der Schweiz hat sich die „Anti-PowerPoint-Partei“ (APPP) gegründet, im Kanton Zürich tritt sie zur Nationalratswahl am 23. Oktober an. Die Partei selbst versteht sich als „internationale Bewegung“, um auf ein schwerwiegendes Problem aufmerksam zu machen: „In manchen Ländern werden Schüler und Studenten mit schlechten Noten bestraft, wenn sie bei ihrer Präsenta­tion kein Powerpoint nutzen.“ Die Partei schätzt die Zahl der Betroffenen auf 250 Millionen.

Microsofts Präsentationsprogramm sowie ähnliche Software soll zwar nicht abgeschafft werden, aber der Zwang müsse aufhören. Schließlich sei die Durchschnittspräsentation langweilig. Genaueres kann in dem Parteiprogramm nachgelesen werden, das 257 Seiten umfasst und als Buch für 27 Euro erhältlich ist. Autor ist der Rhetoriktrainer und Parteipräsident Matthias Pöhm, der anscheinend weiß, wie man geschickt Eigenwerbung betreibt. Der Buchumsatz dürfte aber erst an zweiter Stelle stehen. Wahrscheinlich hat Pöhm auch einen Riesen-Spaß an seiner Partei, sonst würde sich der Aufwand gar nicht lohnen: Die englischsprachige Internetseite ist professionell gemacht und für die Nationalratswahl wurden 805 Unterschriften gesammelt. Dass es doppelt so viele Partei­anhänger gibt, dürfte daran liegen, dass die Mitgliedschaft kostenlos und das Buch dann zehn Euro billiger ist.

Partei des Fortschritts

Man kann die APPP als Spaßpartei abtun, aber in ihr steckt doch ein wahrer Kern: Die meisten Powerpoint-Präsentationen sind in der Tat einschläfernd. Das liegt allerdings nicht (vorrangig) am Format, sondern an der Unfähigkeit der Vortragenden. Die schlimmste Variante: Die Rede kann auf den Folien Wort für Wort nachgelesen werden (wenn die Buchstaben nicht zu winzig sind) und auch der Handzettel gleicht der Präsentation eins zu eins.

Einen großen Vorteil aber haben die digitalen Folien: Sie können beliebig oft kopiert werden – nahezu ohne Kosten. Das machen sich einige (meist jüngere) Menschen zu Nutze, die mit den Präsentationen „Karaoke“ spielen: Jeder Teilnehmer muss zu einem fremden Foliensatz einen möglichst überzeugenden Vortrag halten. Bei der Jugend ist Powerpoint also längst angekommen – aber nur als Mittel, um Spaß zu haben. Solange selbst die Lehrer in den Schulen nicht wissen, wie man mit dem Programm pro­fessionell umgeht, tut Aufklärung Not. Insofern ist die APPP eine Partei des Fortschritts.

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