Die Berliner Gruppenausstellung umfasst die unterschiedlichsten Polaroid-Verfahren und Bildformate – SX-70, Polacolor 20 × 24, FP-100 oder Polaroid T808 – sowie experimentelle Weiterbearbeitungen einzelner Prints oder ganzer Tableaus. Pola Sieverding ist mit ihrer kleinformatigen SX-70 Polaroid-Serie „Valet“, die nahansichtig männliche Wrestler zeigt, vertreten. Ihr italienischer Kollege Maurizio Galimberti hingegen lässt monumentale Polaroid-Mosaiken entstehen – ein wahrlich physischer Akt, bei dem er den Bildgegenstand geradezu obsessiv umkreist, sei es ein Mensch, ein Gebäude oder eine Blume. Die Einzelbilder, die jeweils nur ein winziges Detail zeigen, setzt er später zu einem Gesamtbild zusammen, das dreidimensional aufgeklappt erscheint.
Auch die beiden Serien von Marike Schuurman sind experimenteller Natur: Inkjet-Print-Vergrößerungen, die auf SX-70 Polaroids beruhen. „Toxic“ ist eine Auseinandersetzung mit dem Braunkohlerevier in der Lausitz, südlich von Berlin. Durch den Abbau der Kohle entstanden Krater, die mit Wasser gefüllt wurden, das wiederum sehr sauer ist. Schuurman fotografierte die künstlichen Seen mit der Polaroid-Kamera und ließ die SX-70 Prints in deren Wasser mit niedrigem PH-Wert weiterentwickeln, was die Farben der Polaroids radikal veränderte. In der zweiten Serie „Expired“ zerfließen die Farben des längst abgelaufenen Filmmaterials.
Charles Johnstone veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen kleinformatige Publikationen mit seinen Polaroids mit einer jeweils abgeschlossenen Bildgeschichte. Einige Projekte, etwa über Monica Vitti, entstehen als Kamerablicke auf einen Bildschirm und werden schließlich zu einem Buch gebunden, für andere Sequenzen wie „Escape“ arbeitet Johnstone eng mit einem realen Modell zusammen, aufgenommen unter anderem en plein air an einem Swimming Pool in Upstate New York. So entstehen völlig eigenständige Künstlerbücher, teilweise mit eingelegten C-Prints von den Polaroids als Vorzugsausgaben, die in einer Vitrine in der Raummitte zu finden sind.
Die amerikanische Fotografin Sheila Metzner wurde bereits vor einigen Jahren mit ihren so zeitlosen wie einfühlsamen Porträts, Stillleben und Aktfotografien, realisiert als Fresson Prints, in der Helmut Newton Stiftung vorgestellt. Ihre hier erstmals präsentierten Polaroids, die sich in der persönlichen Sammlung der Newtons befanden, offenbaren nun ihren mit Newton vergleichbaren Ansatz, bestimmte Motive kompositorisch mit Hilfe solcher Sofortbilder vorzubereiten.