In Kooperation mit Across Nations Filmverleih

„Ostdeutsche Erfahrungen haben kaum Wert“

Einfühlsam findet Constanze Klaue aus dem Inneren ihrer Figuren eine Sprache für die Wut derjenigen, bei denen die Versprechen der Zukunft nicht ankommen wollten – und zeichnet ein Generationenporträt in einem von Perspektivlosigkeit geprägten Umfeld

„Ostdeutsche Erfahrungen haben kaum Wert“

Foto: Across Nations

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Mit der Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen

Constanze Klaue

Drama

Deutschland 2025

Ab 3. April 2025 im Kino!

In Kooperation mit Across Nations Filmverleih

Gerade die Nachwendezeit ist eine Phase, die in Ost und West kaum unterschiedlicher sein könnte. Obwohl das Land offiziell vereint war, erlebte die eine Seite einen tiefen Bruch und eine Art Migrationserfahrung im eigenen Land, während die anderen ihr gewohntes Leben weiterleben konnten. Für die junge Generation bedeutete das, mit Eltern aufzuwachsen, die keine Zeit hatten, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, sich in dem neuen Leben zurechtzufinden. Auf mehreren Ebenen. Politisch, sozial, kulturell und finanziell.

Bis heute ist das vielen nicht bewusst, weil ostdeutsche Themen in Medien und Kultur keine große Lobby erfahren und nicht zum Selbstverständnis deutscher Geschichte gehören. Die ostdeutsche Erfahrung scheint noch immer kaum Wert, repräsentiert zu werden, obwohl sie für das Verständnis rechter Tendenzen im Osten unumgänglich ist. Doch es fehlen, besonders im Film, die Geschichten über den Osten, erzählt von Menschen aus dem Osten. Das Ostdeutsche an meinem Film ist der innere Blick zu den Figuren. Hinter den Stereotypen stecken komplexe Biografien und individuelle Schicksale.

Die AfD und Pegida sind auch, wenn nicht vor allem, Emotionsbewegungen. Die Fremdenfeindlichkeit ein Ausdruck von Systemkritik und bei den jungen Menschen auch gerne ein gewollter Gegenentwurf zum selbstverständlichen Antifaschismus ihrer Eltern – den Abgehängten, den Nie-Angekommenen. Mir ist es ein großes Bedürfnis, dass dieses Nicht-Gehörtwerden ostdeutscher Geschichten nicht länger im fremdenfeindlichen Gedankengut endet, sondern ein Diskurs auf Augenhöhe angeregt wird.

Sehr besonders für mich ist, dass der Roman, wie auch der Film, erst um die Jahrtausendwende beginnt und dennoch die gleichen Themen verhandelt wie bereits zehn Jahre zuvor. Wenn wenig Neues entsteht, wird immer die Perspektive fehlen, wird automatisch zurückgeschaut und sich mit der Vergangenheit identifiziert. Wenigstens dies scheint ein bisschen Halt zu geben.

Constanze Klaue, Regisseurin

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Kraftvolles Spielfilmdebüt

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Zwei Brüder während der Jahrtausendwende in der ostdeutschen Provinz – geprägt vom Zerfall ihrer Familie und Hoffnungslosigkeit: Als ein Flüchtlingsheim gebaut werden soll, eskaliert die Lage. Constanze Klaue verfilmt Lukas Rietzschels Roman

Berührendes Familiendrama

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Im Gespräch erklärt Regisseurin Constanze Klaue die Hintergründe hinter ihrem Debüt „Mit der Faust in die Welt schlagen“. Einem Film, der universelle Themen zeigen soll, die nicht nur auf eine Region begrenzt sind – authentisch, subtil, empathisch

Empathische Studie menschlicher Schicksale

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Stimmen aus dem Netz: „Der Titel des Films klingt nach Wut und Krawall. Das Spannende am Regiedebüt von Constanze Klaue ist jedoch, dass man die im Titel ausgedrückte Emotion jederzeit nachvollziehen kann, der Film aber ganz ruhig daherkommt“

Mit der Faust in die Welt schlagen | Trailer

Philipp und Tobi wachsen in der Provinz Sachsens auf. Ihre Kindheit ist geprägt von dem Zerfall der eigenen Familie und der Perspektivlosigkeit einer ganzen Region. Als Jahre später ein Flüchtlingsheim entstehen soll, eskaliert die Situation

Mit der Faust in die Welt schlagen | Review

Constanze Klaues Filmdebüt "Mit der Faust in die Welt schlagen" nach dem gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel ist ein vielschichtiges und berührendes Familiendrama über die Bitterkeiten des Lebens in einer Zeit des radikalen Umbruchs

Mit der Faust in die Welt schlagen | Talk

Die Brüder Philipp (12) und Tobias (9) wachsen Anfang der 2000er in der ostdeutschen Provinz auf. Die Familie baut ein Haus. Uwe, der auf der Baustelle hilft, ist plötzlich tot. Knut Elstermann spricht mit Constanze Klaue und Christian Näthe

Radikaler Rechtsruck | Dokumentation

Deutschland rückt nach rechts außen – und die Warnungen vor einem neuen 1933 werden immer lauter. Aber lässt sich das heute wirklich mit dem Beginn des Nationalsozialismus vergleichen?